“Karriere-Sprungbrett” Zeitarbeit

Zeitarbeit hat nichts mit Ausbeutung zu tun, sondern mit flexiblen Arbeitskräften. Mit Wachstum. Und Karrierechancen. Zeitarbeit ist das beste, was jungen Menschen heute passieren kann! Überzeugen Sie sich selbst! Alle Argumente der Branche exklusiv in der PR-Show “Karriere-Sprungbrett Zeitarbeit”.

YouTube Preview Image

Unter 35, abgeschlossene Berufsausbildung, verzweifelt: das typische Profil eines bayerischen Leiharbeiters. Die meisten reden nicht darüber, wie sie ausgebeutet werden. Aus Scham und Angst. Kay (23) hat sich getraut.

Eigentlich klingt alles perfekt: Kay Bauer (23) ist Schreiner, hat seine Gesellenprüfung als einer der Jahrgangs-Besten abgeschlossen und arbeitet seit acht Monaten bei Bavaria Yachtbau, dem größten Bootsbauer Deutschlands. Kay mag seinen Job, er baut Kombüsen in Yachten ein. Und doch ist Kay ein Mensch zweiter Klasse. Sein Makel versteckt sich auf seinem Firmenausweis – und der Lohnabrechnung. Kay ist Leiharbeiter.

Volle Flexibilität bei schlechter Bezahlung

Mehr als die Hälfte der rund 115.000 Leiharbeiter in Bayern sind jünger als 35. Ihre Zahl wächst – mit Ausnahme des Krisenjahres 2009 – kontinuierlich. Leiharbeiter sind dazu da, um produktionelle Spitzen abzufedern, also für einige Monate in Unternehmen auszuhelfen, deren Auftragslage stark fluktuiert. Arbeitgeber und Zeitarbeitsfirmen profitieren bei diesem Geschäftsmodell – die Leiharbeiter nicht. Sie werden schlecht bezahlt, müssen ständig flexibel sein und träumen meist vergeblich davon, der Zeitarbeit zu entkommen. Für die meisten der jungen Leute ist Leiharbeit kein Sprungbrett, sondern Karriere-Treibsand.

YouTube Preview Image

Kay Bauer hatte keine Wahl. Er wird als Geselle nicht übernommen, schreibt mehr als 100 Bewerbungen und wird schließlich über die Arbeitsagentur an seine erste Zeitarbeitsfirma vermittelt. Jetzt sitzt Kay in seiner Würzburger Einzimmer-Wohnung auf dem Bett. Die Fenster hat er mit Tüchern verhangen. Platz für Tisch und Stühle hat er nicht. “Ohne Fahrtgeld verdiene ich bei Bavaria Yachtbau 1100 Netto”, sagt er. “Als Festangestellter würde ich 1450 oder 1500 bekommen.”
25 Prozent weniger Lohn

Bavaria Yachtbau CEO Jens Ludmann bestätigt, dass Leiharbeiter maximal “ca. 28 Prozent weniger netto” verdienen. Der Grund: Am Anfang hätten fremde Facharbeiter eine “geringere Effizienz”. Sie müssten erst eingearbeitet werden. “Leiharbeiter die eingeabeitet sind, sollten mehr Geld verdienen”, sagt Ludmann.

Für Betriebsrats-Chef Christian Hartmann sind das Lippenbekenntnisse. Für ihn hat die Zweiklassen-Gesellschaft bei dem Bootsbauer System: Danach verdienen die rund 200 Leiharbeiter im Vergleich zu ihren 500 festangestellten Kollegen circa ein Drittel weniger. “Minimum. Wenn nicht die Hälfte weniger”, sagt Hartmann. Dass er das nicht verhindern kann, ärgert den Betriebsrats-Chef. “Das ist ungerecht, beschissen, eine Sauerei auf Deutsch gesagt.”

Der DGB hat in der Studie “Leiharbeit in Bayern – Unreguliert, Unterbezahlt, Unsicher” Anfang des Jahres nachgewiesen, dass Leiharbeiter im Schnitt 25 Prozent weniger als festangestellte gleichqualifizierte Kollegen verdienen. Außerdem dürfen sie an Fortbildungen der Entleiher-Firma nicht teilnehmen. Ihren Arbeitsplatz können sie aber von einem auf den anderen Tag verlieren. Bei Banken bekommen sie keinen Kredit. Eine Existenz lässt sich so nicht aufbauen.
Der Traum von der Festanstellung

“Wie soll ich denn da Geld für ein Kind haben, wenn es kaum für mich alleine reicht?”, sagt Kay Bauer. “Das geht einfach nicht. Keine Chance!” Noch hofft er, dass er es raus aus der Leiharbeit schafft. Vielleicht sogar bei Bavaria Yachtbau. Immerhin haben die im letzten Jahr 30 Leiharbeiter übernommen.

Für die meisten bleibt es allerdings beim Traum von der Festanstellung. “Die Leute werden immer wieder vertröstet, damit sie ihre Leistung zeigen. Und letzten Endes stellt sich heraus, dass sie unberechtigt vertröstet wurden, weil sie doch nicht übernommen werden: Des ist bewusst die Leute verarschen”, sagt Frank Kempe, Betriebsrat bei Bavaria Yachtbau.

Ein Sprungbrett ist die Leiharbeit nicht, vor allem nicht für Arbeitslose. Laut dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit finden nur sieben Prozent der früher arbeitslosen Leiharbeiter einen festen Job außerhalb der Zeitarbeitsbranche. Trotzdem sind es gerade die Arbeitsagenturen, die den Zeitarbeits-Boom befeuern. Rund ein Drittel der dort angebotenen Stellen sind Leiharbeits-Jobs.

Letzter Ausweg: Australien

Kay Bauer hat sich indes ein Ultimatum gesetzt: Dieses Jahr noch. Wenn sich dann nichts ändert, wandert er nach Australien aus. “Ich möchte hier nicht zu Grunde gehen”, sagt er. “Da habe ich mir schon mehr erwartet vom Leben.”

Eine echte Perspektive für junge Leiharbeiter kann nur die Politik schaffen, in dem sie faire Rahmenbedingungen einführt. Zum Beispiel mit “Equal Pay”, der gleichen Bezahlung von Leiharbeitern und Festangestellten.

———————————————————————

Zwei Fragen zum Thema Leiharbeit:

Gibt’s mittlerweile mehr Leiharbeiter als normale Festangestellte?

Nein. Im Vergleich zu der hohen Zahl an Zeitarbeits-Stellen bei der Arbeitsagentur gibt es insgesamt gesehen noch relativ wenige Zeitarbeiter in Bayern. Rund 3,5 Prozent der Unter-35-Jährigen in Bayern sind Leiharbeiter.

Wer sind die Leiharbeiter?

In Bayern haben rund 60 Prozent einen Berufs- und 10 Prozent einen Hochschulabschluss. Nur 15 Prozent haben keine Berufsausbildung. Trotzdem führen rund ein Drittel aller Leiharbeiter sogenannte „Hilfsarbeitertätigkeiten aus“, für die man keinen Berufsabschluss braucht. 60 Prozent der Leiharbeiter arbeiten in Fertigungsberufen wie Schlosser, Mechaniker oder Chemiearbeiter. Rund 40 Prozent arbeiten in Dienstleistungsberufen.

About Matthias Dachtler


One Response to ““Karriere-Sprungbrett” Zeitarbeit”

  • Manideep

    Natfcrlich gibt es einen Wirtschaftsaufschwung. Irgendwo gab es neulich einen Vergleich der Managergehe4lter der leetztn 3 Jahre. Da gings eindeutig bergauf, aber sowas von Der Wirtschaft gehts gut, nur beim Volk kommts halt nicht an. Aber hat ja auch niemand was gesagt, dass das eine was mit dem anderen zu tun hat.Zum Thema Arbeitsmarkt:Sowohl die Befristungen als auch die Zeitarbeit werden mittlerweile einfach zweckentfremdet und midfbraucht nach Strich und Faden Bei der Vergabe von befristeten Vertre4gen ist fcbrigens unser Vater Staat in vielen Bereichen ganz vorne mit dabei Meine holde, langhaarigere He4lfte hat mittlerweile den 7. oder 8. Zeitvertrag (beim gleichen Arbeitgeber im f6ffentlichen Dienst) seit 2003. Da wird mit allen Mitteln eine Festanstellung umgangen (nicht nur bei ihr, sondern auch bei einem grodfen Teil der Kollegen). Ist ganz toll ffcr ne Zukunftsplanung.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>