Goldmine Handy

Elektroschrott ist kein Müll, sondern ein Rohstoff-Schatz, auf den wir in Zukunft angewiesen sind. Dummerweise verschwenden wir diesen Schatz fahrlässig. Das sollten wir ändern!

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Vor zehn Jahren galt Elektroschrott noch als Sondermüll, heute als Schatz. Der Grund: Metalle wie Gold, Silber, und Kupfer werden knapper, neue Minen verwüsten ganze Landstriche, die Rohstoffpreise steigen. Andererseits enthalten 40 alte Handys genauso viel Gold, wie eine Tonne Erz aus der Goldmine. Mittlerweile lohnt es sich, die wertvollen Metalle aus unserem Schrott herauszuholen. Mehr noch: Wir können es uns nicht leisten, sie auf Deponien verrotten oder in unseren Schubladen Zuhause herumliegen zu lassen.

Die Krone des Elektroschrotts

Als rohstoffarmes Land hängen wir am Tropf der Förder-Länder. China produziert zum Beispiel über 90 Prozent der “Seltenen Erden”, Metalle, die in jedem Handy stecken. “Urban Mining”, also die Rohstoff-Rückgewinnung aus unserem Elektroschrott, ist für uns die Chance, in Zukunft zumindest ein Stück Unabhängigkeit zu bewahren.

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Handys gelten als die Krone des Elektroschrotts. Nirgends ist die Rohstoff-Dichte größer: Gold, Silber, Palladium, Platin, Kupfer, Kobalt. In Handys sind mehr als 40 wertvolle Rohstoffe verbaut. Aktuell verschwenden wir den Großteil dieser Rohstoffe: Nur vier Prozent der deutschen Althandys werden auf dem Wertstoff abgegeben. Gleichzeitig verstauben in unseren Schubladen daheim über 80 Millionen ausrangierte Handys. Das sind rund 700 Tonnen Kupfer, 20 Tonnen Silber und knapp 2 Tonnen Gold. Eine riesige Verschwendung!

on3 sammelt Handys

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Bayerns Umweltminister Marce

l Huber hat aus diesem Grund die Aktion “Handy clever entsorgen” gestartet. Er hat 10.000 Handy-Sammelboxen in Schulen, Unis, sogar Krankenhäusern aufstellen lassen. Eine sinnvolle Aktion. Deswegen haben wir uns auch gleich Mal eine Box geschnappt.

Zum Wertstoffhof gehen – Viel zu anstrengend?!

Aktuell nervt es schon gewaltig, wegen einem alten Handy, einem kaputten Wecker oder einem Wasserkocher mit Wackelkontakt extra zum Wertstoffhof fahren zu müssen. Warum nicht einfach in den Restmüll werfen? Spielen wir das Ganze einfach mal durch. Ich werfe mein altes Handy in den Restmüll, was passiert?

Als Erstes verstoße ich gleich mal gegen das “Elektrogesetz” – Elektrogeräte dürfen nicht im Restmüll entsorgt werden – aber ok, kriegt daheim ja niemand mit. Die Müllmänner nehmen mein altes Handy arglos mit und fahren es zur städtischen Verbrennungsanlage. Dort landet der ganze Abfall in einem so genannten “Müllbunker”, eine Art großer Swimmingpool voller Müll. Mein Handy könnte diesen Pool in Brand stecken, wenn der Lithium-Ionen-Akku beschädigt wird. Das ist gar nicht so unwahrscheinlich, weil ein Greifarm den Müll wie einen Teig durchmischt.

Nach ein paar Stunden erwischt der Greifer mein Handy und wirft es in die Verbrennungsanlage. Bei 850 bis 1050 Grad verbrennen das Plastik und alles organische Material. Der Akku wird zerstört, giftige Schwermetalle verdampfen, werden unter hohem Aufwand herausgefiltert, später in einem Salzbergwerk endgelagert und bleiben unseren nächsten Generationen damit erhalten. Die wertvollen Metalle meines Handys – zum Beispiel Gold, Silber und Aluminium – bleiben übrig. Sie stecken zusammen mit anderem Stahlschrott in einer nassen, festen Substanz, die ähnlich wie Erde aussieht: der Schlacke.

Die Schlacke wird zum Großteil im Straßenbau verwendet. “Wir haben vergoldete Straßen”, sagt Klaus Wiemer, Leiter des Fachbereichs Abfallwirtschaft an der Universität Kassel. Alleine aus dem Aluminium, das mit der Schlacke auf unseren Straßen landet, könnten jedes Jahr 450.000 Autos gebaut werden. “Da werden sehr viele Ressourcen verschwendet.” Fazit: Der Gang zum Wertstoffhof lohnt sich.

About Matthias Dachtler


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